„Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ – ein etwas anderer Reisebericht von David Foster Wallace

(David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich; Goldmann Verlag 2006 (10. Auflage); 192 Seiten; 6,90 €)

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Reisereportage der etwas anderen Art – 1996 verfasst von David Foster Wallace. Einer der ganz großen amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart (u.a. mit seinem Jahrhundertroman „Infinite Jest“, im deutschen „Unendlicher Spass„). Im September 2008 nahm sich David Foster Wallace das Leben. Angedenk dieser Tatsache liest man das Buch unter einem anderen Blickwinkel: Oft lassen sich, mal zwischen den Zeilen, mal überdeutlich, überzogen negative Sichtweisen sowie der Hang zur Selbstzerstörung ohne jeden Zweifel herauslesen.

Keine Ahnung, was sich die Jungs vom Harper’s Magazine dabei dachten, als sie den unberechenbarsten Newcomer der amerikanischen Literaturszene zwecks Reisereportage zu einer Kreuzfahrt auf einem Luxusdampfer eingeladen haben. Einen Schriftsteller, der Bücher mit Titeln wie „Kleines Mädchen mit komischen Haaren“ oder „Kurze Interviews mit fiesen Männern“ schrieb. Egal, die ,Doku-Postkarte im Breitwandformat’, die Wallace den Harper’s schickte, ist jedenfalls an atmosphärischer Surrealität und sprachlichen Brillanz kaum zu übertreffen.

Auf der ersten Seite des Buches sitzt David Foster Wallace im Coffee-Shop des Flughafens von Fort Lauderdale in Florida und lässt seine Erlebnisse Revue passieren: “Ich habe sacharinweiße Strände gesehen, Wasser von hellstem Azur. Ich habe einen knallroten Jogginganzug gesehen, mit extrabreitem Revers.” Schon alleine diese Zusammenstellung zeigt für mich die schriftstellerische Meisterschaft des Autors. Zuerst wird das gigantische Fass werbetexterischer Übertreibungen aufgemacht – und dann durch eine völlig banale Beobachtung wieder verschlossen. Auch der nächste Satz hat es in sich: “Ich habe erfahren, wie Sonnenmilch riecht, wenn sie auf 21.000 Pfund heißes Menschenfleisch verteilt wird.” Und so geht es immer weiter und weiter.

Update 23.05.2010: Ein sehr interessanter Beitrag zum Buch auf Felix Schwenzel’s Blogwirres.net findet sich hier … PS: Ich hab das Buch auch gekauft und nicht gestellt bekommen 🙂

Fazit: Absolute Empfehlung! Ein „schrecklich amüsantens“ Buch!


Weiterführende Links:

Rezensionsüberblick bei perlentaucher.de

Interview mit David Foster Wallace aus dem Jahre 1996 bei salon.com

Interview mit Ulrich Blumenbach (Übersetzer von Infinite Jest) bei DRadio

davidfosterwallace.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: