Zwei Romane, zwei Dekaden – ein Thema: Party, Drogen, Techno, Liebe – in den Neunzigern und den Nullern…

(Rainer Schmidt: Liebenstänze; KiWi 2009; 317 S.; 8,95 Euro  → Bei Amazon bestellen)

(Airen: STROBO; Sukultur 2009; 169 S.; 17 Euro Bei Amazon bestellen)

Zwei Bücher, die das Thema Techno-Kultur aufgreifen – auf recht unterschiedliche Art und Weise. Rainer Schmidts „Liebestänze“ spielt in den Neunzigern und ist in klassischer Romanform geschrieben. Airens „STROBO“ hingegen ist die Publikation von Blogbeiträgen, die der Autor unter diesem Pseudonym über einen längeren Zeitraum hinweg im Internet veröffentlicht hatte – zwischen 2004 und 2008.

Beiden Werken gemein ist der Gegenstand: Techno als Subkultur, die damit verbundene Club-Kultur und die zentrale Rolle von Drogen. Die beiden Bücher direkt hintereinander zu lesen ist besonders reizvoll, weil in „Liebestänze“ die Anfänge von Techno geschildert werden, während „STROBO“ sozusagen eine authentische Nahaufnahme der heutigen Szene darstellt.

Im Sommer 1989 zog die erste Loveparade über den Ku’damm, aber der eigentliche Startschuss für den Siegeszug des Techno war der Mauerfall. Auf den Dancefloors der Hauptstadt vereinten sich Ost und West zuerst. Rainer Schmidt erzählt vom Höhepunkt dieser deutschen Kulturrevolution – und von Felix, der sich Hals über Kopf in die Szene stürzt, mitten hinein in die Liebestänze. Loveparade, E-Werk und Tresor. Rainer Schmidts erinnerungssatte Beschreibungen der Aufbruchsstimmung, des Wahnsinns in den schweißnassen, vibrierenden Kellergewölben sind überzeugend. Ebenso seine Simulation des 24-Stunden-Drogentripps durch das Arrangement verschiedener Realitätsebenen im Text.

Sehr spannend auch das Leseprojekt zu „Liebestänze“ (Link siehe unten). Über 300 „Vorleser“ (DJ’s, Producer und sonstige „Szene-Leute“), z.B. Dr. Motte, Monika Kruse und Westbam, nehmen sich jeweils eine Seite vor.

Berlin in den 90ern war also in erster Linie mit der Loveparade assoziiert. Spricht man heute von Berlin, denkt man vielmehr an Clubs wie Berghain, Bar25, Watergate und auch das neue Tresor macht immer noch von sich Reden. Aber was hat sich sonst noch alles in Berlin verändert? Und wie lebt es sich in einer Stadt, in der man beinahe jeden Tag vor den gleichen Fragen steht: Auf welche Party gehe ich heute? Und wie schaffe ich es morgen zur Arbeit? Der Blogger Airen hat es sich zwei Jahre lang zur Aufgabe gemacht, genau dieses – sein Leben – festzuhalten und alles haargenau und ausgesprochen detailliert niederzuschreiben. “

»Das Unerträgliche erträglich machen«, beschreibt Airen den Morgen, als er auf einer Afterhour mit drei Unbekannten zu sich kommt, »darum geht es doch im Leben.« Airen hat fünf verschiedene Drogen im Blut, wird sich gleich mit Valium in den Schlaf zwingen und später gefühllosen Sex mit einer alten Bekannten haben. Im Laufe des Buches wird Airen zweimal verhaftet, sitzt elf Tage im Gefängnis, verkauft Drogen auf der Loveparade, nimmt beinahe am Berliner Firmenlauf teil, hat Sex mit Frauen, Männern, Prostituierten und Transsexuellen und arbeitet jeden Tag in einer Unternehmensberatung.

Das Buch ist eine Ode an die Berliner Feierszene, authentisch dargestellt – mit all ihren Höhen und Tiefen…


Weiterführende Links:

Leseprojekt „Liebestänze“: 300 Seiten – 300 Videos – 300 Vorleser…

Kritik zu „Liebestänze“ im TITEl-MAGAZIN

Interview mit Airen bei 1LIVE

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