Dockville 2010 – ein sehr subjektiver Rückblick…

(Dockville Festival 2010 Hamburg Elbinsel; 13.-15. August 2010)

Nachdem ich das letzte Dockville trotz so mancher organisatorischer Mängel lieben gelernt hatte, stand schon seit langem fest, dass ich auch 2010 wieder auf den Weg nach Hamburg machen würde. Rein nominell war das Line-Up für meinen Geschmack etwas „schwächer“ als vergangenes Jahr – aber dennoch waren jede Menge Acts dabei, auf die ich mich gefreut habe. Doch der Reihe nach…

Organisatorisches und das ganze Drumherum:

POSITIV:

  • Nach gut achtstündiger Fahrt kamen wir Freitag so gegen 14 Uhr am Festival Gelände an. Erste freudige Überraschung: Der Check-In ging im Vergleich zum Vorjahr super zügig voran. Auch kein riesen Gedöns beim Betreten des Camping-Platzes, von wegen Kontrolle, was man alles mit reinnimmt usw.
  • Das Festivalgelände war heuer weiter gespannt ohne zu weitläufig zu werden. Haupt- und Nebenbühne waren wieder in sehr kurzer Zeit zu wechseln, so dass man ggf. zwischen zwei Acts problemlos wechseln konnte. Und es gab zwei Hallen, während es vergangenes Jahr nur eine war.
  • Man hat aus der katastrophalen Getränke- und Essens-Situation vom vergangenen Jahr gelernt. Das hat dieses mal alles super geklappt. Pfandrückgabe sehr gut gelöst, man musste auf sein Bier oder etwas zu essen kaum warten. Auch der „Supermarkt“ am Camping-Platz war deutlich besser aufgestellt…

NEGATIV:

  • Gerade nach den letzten Bühnen-Acts kam es vor den Hallen zu großem Andrang – zusätzlich hat sich von Fall zu Fall der Einlass verzögert, ohne dass man informiert wurde (z.B. Freitag Nacht) – das hat für Verwirrung gesorgt…

Ein paar Anmerkungen zu ausgewählten Bands die ich gesehen habe:

Die undankbare Aufgabe, auf der Nebenbühne am Freitag nachmittag zur eröffnen, hatten Ja, Panik übernommen. Die wollte ich unbedingt sehen – und habe es nicht bereut. Die Österreicher spielten auf, als würden sie gerade auf der Hauptbühne vor 10000 Leuten stehen. Ein super Start in das Festival-Wochenende. Meine Favoriten: „Alles hin, hin, hin“ und „Die Luft ist dünn“.

Das erste Highlight auf der Hauptbühne waren dann Portugal. The Man. Die amerikanischen Indie-Rocker liessen sich nicht daran stören dass viele der Festival-Besucher gerade erst nach und nach eintrudelten und überzeugten mich vollends. Highlights: „The Sun“ und „People say“.

Kurzfristig ins Line-Up wurde das Hamburger Künstlerkollektiv HGich.T aufgenommen. HGich.T (ausgesprochen: ha ge ich te) wurden vor allem durch die Youtube-Videos bekannt, die inzwischen Kultstatus erlangt haben (siehe z.B. hier oder hier). Was die Dockville Besucher, die sich am Samstag nachmittag in den Maschinenraum (großer Halle) verirrt hatten zu sehen bekamen, kann man nicht als gewöhnliches Konzert bezeichnen. Das war das mitunter krasseste, was ich in meiner langjährigen „Konzertlaufbahn“ so erlebt habe. Das war eher eine Kunst-Perfomance… Der Sänger und Texter nennt sich Anna-Laura und wirkt auf der Bühne, als meine er seine Texte ernst – eine Textzeile heisst „Ich bin schizophren, ja!“ – nomen est omen… Der Rest des Kollektivs springt und tanzt  auf der Bühne, malt Riesen-Penise auf Leinwand und verschenkt die Bilder ans Publikum usw. Eine unglaubliche Show. Wer diesem Phänomen auf die Spur gehen will, dem sei ein Artikel im Art-Magazin ans Herz gelegt (hier). Und ein Blick ins Video lohnt!

Endlich bekam ich die Gelegenheit, die neue britische Indie-Hoffnung Delphic live zu begutachten, nachdem ihr Auftritt im Münchner 59:1 leider (für mich) zu schnell ausverkauft war. Und was soll ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Sehr gelungene Performance, alle Highlights des Debutalbums „Acolyte“ wurden gespielt – allen voran „Doubt“, „Counterpoint“ und „This Momentary“…

Dann endlich Frittenbude. Bereits im Vorjahr hatten sie das Dockville gerockt (damals noch in der Halle) – zahlreiche Besucher haben sich im Forum die Band erneuut gewünscht und die Veranstalter kamen den Wunsch nach – Vielen Dank hierfür! Dieses mal traten sie auf der Nebenbühne auf – und auch dort brachten sie die Stimmung an den Siedepunkt. Egal ob Songs aus dem ersten Album oder aus dem Aktuellen „Katzengold“ – das war Party pur. Meine Highlights: „Bilder mit Katze“ und natürlich „Hildegard“. Sehr cool auch, dass die Band auf den Zwangsschluß um Mitternacht pfiff („das kostet uns jetzt glaub ich ne Menge Geld, aber das ist uns scheissegal“…) und noch zu weiteren Zugaben auf die Bühne kamen…

Am Sonntag vor allem bemerkenswert der Auftritt von Eva Jantschitsch alias Gustav … Die wiener Sängerin absolvierte den Auftritt in schwangerem zustand – was der Bassist bei der gegenseitigen „Vostellung“ am Ende des Sets etwas uncharmant so umschrieb: „Gesang; Eva Jantschitsch, die krankheitsbedingt beeinträchtigt ist (Blähbauch)“ – Wiener Schmäh halt…. Dennoch oder gerade deshalb ein gelungener Auftritt, besonders „Abgesang“, „We shall overcome“ und „Rettet die Wale“ haben mir gefallen.

Mit gemischten Gefühlen sah ich Slime bei Ihrem Bühnen-Comeback. Natürlich zählten Slime in meiner Jugend zu meinen Helden, klar kann ich nach wie vor Songs wie „Alle gegen Alle“, „Bullenschweine“, „polizei-SA-SS“ mitsingen und ja, die Jungs haben’s auch in fortgeschrittenem Alter noch drauf. Aber irgendwie merkwürdig, solche Parolen aus dem Mund von über fünfzigjährigen zu hören. Vielleicht liegt’s aber auch nur an mir, dass ich mit so was nichts mehr anfangen kann. Na ja, auch ne Erkenntnis!

Das bringt mich nahtlos zu den Enttäuschungen, denn die gab es für mich durchaus auch: Da wäre zunächst mal Uffie. Ist jetzt nicht zu hundert Prozent meine Musik, aber ich hatte mir zumindest eine gute Show erwartet – und wurde bitter enttäuscht. Noch schlimmer fand ich Die Sterne. Was ist nur aus dieser Band geworden? Was sollte das denn für ein Auftritt gewesen sein? Wie schrieb jemand im Forum: „Telegymnastik, oder was war das ???“… Was hat Euch bloß so ruiniert 😦

Und dennoch: Unterm Strich eindeutig ein super gelungenes Dockville 2010 – wir werden auch nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein!


Weiterführende Links:

Bericht vom Festival bei mcmagazin.de

Bericht bei Unser Lübeck

Sehr schönes Rückblicksvideo des Veranstalters…

Festivalbericht eines recht ernüchterten mr.boredoms

Bilder vom Festival gibts hier


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