Listen Listen Listen – Jahresrückblick 2010…

Lieblingsalbum 2010:

  1. Arcade Fire – The Suburbs
  2. Tocotronic – Schall und Wahn
  3. Get Well Soon – Vexations
  4. Rummelsnuff – Sender Karlshorst
  5. This is the Arrival – This is the Arrival
  6. Vampire Weekend – Contra
  7. The National – High Violet
  8. Caribou – Swim
  9. Massive Attack – Heligoland
  10. Yeasayer – Odd Blood
  11. Fehlfarben – Glücksmaschinen
  12. Gonjasufi – A Sufi and a Killer
  13. Dendemann – Vom Vintage verweht
  14. Four Tet – There is love in you
  15. Johnny Cash – Ain’t no Grave
  16. LCD Soundsystem – This is Happening
  17. Trentemoeller – Into the great wide Yonder
  18. Booka Shade – More!
  19. Herpes – Das kommt vom Küssen
  20. Gaslight Anthem – American Slang

Lieblingssong 2010:

  1. Arcade Fire – Modern Man
  2. Get well soon – We are Free
  3. Herpes – Very Berlin
  4. Materna – Endboss
  5. The National – Anyones Ghost
  6. Arcade Fire – Roccocco
  7. Rummelsnuff – Salzing schmeckt der Wind
  8. Bratze – Menschen im Minus
  9. Caribou – Odessa
  10. Dendemann – Papierkrieg
  11. Fehlfarben – Wir warten
  12. Get Well soon – Harmour Love
  13. Arcade Fire – We used to wait
  14. Gisbert zu Knyphausen – Pläne
  15. Gonjasufi – She’s gone
  16. Hot Chip – Brothers
  17. La Brass Banda – Autobahn
  18. LCD Soundsystem – Dance Yrslf Clean
  19. Rummelsnuff – Nathalie
  20. Bonaparte – My Horse Likes you

Lieblingskonzert 2010:

  1. HGichT (Dockville Hamburg)
  2. Tocotronic (Tonhalle München)
  3. Notwist (BR Rundfunkhaus München)
  4. Pavement (Muffathalle München)
  5. Laibach (Backstage München)
  6. Fritenbude (Dockville Hamburg)
  7. The National (Rathausplatz Dachau)
  8. Yeasayer (59:1 München)
  9. Gustav (Dockville Hamburg)
  10. Front 242 (Backstage München)
  11. Nitzer Ebb (Backstage München)
  12. Fehlfarben (Backstage München)
  13. Ja, Panik! (Dockville Hamburg)
  14. Dendemann (Bakstage München)
  15. This is the Arrival (Ampere München)

Lieblingsfilm 2010:

  1. Inception
  2. Up in the Air
  3. A Serious Man
  4. Wo die wilden Kerle wohnen
  5. Whatever Works
  6. Die Hummel
  7. Friensdship!
  8. Drachenzähmen leicht gemacht
  9. Wenn die Liebe so einfach wäre
  10. Shutter Island
  11. Alice im Wunderland
  12. Sherlock Holmes
  13. Vorstadtkrokodile 2
  14. Haben Sie das von den Morgans gehört
  15. Shrek 4 – Forever Shrek

Lieblingsbuch 2010:

  1. Nagel – Was kostet die Welt
  2. Benjamin von Stukrad Barre – Auch Deutsche unter den Opfern
  3. Wolf Haas – Der Brenner und der Liebe Gott
  4. Wolfgang Herrndorf – Tschick
  5. Sascha Lobo – Strohfeuer
  6. Jan Fleischauer – Unter Linken – Wie ich aus Versehen Konservativ wurde
  7. Peter Longerich – Hinmler Biographie
  8. Thomas Raufeisen – Der Tag, n dem uns Vater erzählte dass er DDR-Spion sei
  9. Wolfgang Schorlau – Das München Komplott
  10. Bernd Stiller – Der Agent
  11. Sven Kemmler – Und was wirst Du wenn ich groß bin
  12. Rainer Schmidt – Wie lange noch
  13. Rainer Schmidt – Liebestänze
  14. Airen – Strobo
  15. Max Goldt – Ein Buch namens Zimbo

Dockville 2010 – ein sehr subjektiver Rückblick…

(Dockville Festival 2010 Hamburg Elbinsel; 13.-15. August 2010)

Nachdem ich das letzte Dockville trotz so mancher organisatorischer Mängel lieben gelernt hatte, stand schon seit langem fest, dass ich auch 2010 wieder auf den Weg nach Hamburg machen würde. Rein nominell war das Line-Up für meinen Geschmack etwas „schwächer“ als vergangenes Jahr – aber dennoch waren jede Menge Acts dabei, auf die ich mich gefreut habe. Doch der Reihe nach…

Organisatorisches und das ganze Drumherum:

POSITIV:

  • Nach gut achtstündiger Fahrt kamen wir Freitag so gegen 14 Uhr am Festival Gelände an. Erste freudige Überraschung: Der Check-In ging im Vergleich zum Vorjahr super zügig voran. Auch kein riesen Gedöns beim Betreten des Camping-Platzes, von wegen Kontrolle, was man alles mit reinnimmt usw.
  • Das Festivalgelände war heuer weiter gespannt ohne zu weitläufig zu werden. Haupt- und Nebenbühne waren wieder in sehr kurzer Zeit zu wechseln, so dass man ggf. zwischen zwei Acts problemlos wechseln konnte. Und es gab zwei Hallen, während es vergangenes Jahr nur eine war.
  • Man hat aus der katastrophalen Getränke- und Essens-Situation vom vergangenen Jahr gelernt. Das hat dieses mal alles super geklappt. Pfandrückgabe sehr gut gelöst, man musste auf sein Bier oder etwas zu essen kaum warten. Auch der „Supermarkt“ am Camping-Platz war deutlich besser aufgestellt…

NEGATIV:

  • Gerade nach den letzten Bühnen-Acts kam es vor den Hallen zu großem Andrang – zusätzlich hat sich von Fall zu Fall der Einlass verzögert, ohne dass man informiert wurde (z.B. Freitag Nacht) – das hat für Verwirrung gesorgt…

Ein paar Anmerkungen zu ausgewählten Bands die ich gesehen habe:

Die undankbare Aufgabe, auf der Nebenbühne am Freitag nachmittag zur eröffnen, hatten Ja, Panik übernommen. Die wollte ich unbedingt sehen – und habe es nicht bereut. Die Österreicher spielten auf, als würden sie gerade auf der Hauptbühne vor 10000 Leuten stehen. Ein super Start in das Festival-Wochenende. Meine Favoriten: „Alles hin, hin, hin“ und „Die Luft ist dünn“.

Das erste Highlight auf der Hauptbühne waren dann Portugal. The Man. Die amerikanischen Indie-Rocker liessen sich nicht daran stören dass viele der Festival-Besucher gerade erst nach und nach eintrudelten und überzeugten mich vollends. Highlights: „The Sun“ und „People say“.

Kurzfristig ins Line-Up wurde das Hamburger Künstlerkollektiv HGich.T aufgenommen. HGich.T (ausgesprochen: ha ge ich te) wurden vor allem durch die Youtube-Videos bekannt, die inzwischen Kultstatus erlangt haben (siehe z.B. hier oder hier). Was die Dockville Besucher, die sich am Samstag nachmittag in den Maschinenraum (großer Halle) verirrt hatten zu sehen bekamen, kann man nicht als gewöhnliches Konzert bezeichnen. Das war das mitunter krasseste, was ich in meiner langjährigen „Konzertlaufbahn“ so erlebt habe. Das war eher eine Kunst-Perfomance… Der Sänger und Texter nennt sich Anna-Laura und wirkt auf der Bühne, als meine er seine Texte ernst – eine Textzeile heisst „Ich bin schizophren, ja!“ – nomen est omen… Der Rest des Kollektivs springt und tanzt  auf der Bühne, malt Riesen-Penise auf Leinwand und verschenkt die Bilder ans Publikum usw. Eine unglaubliche Show. Wer diesem Phänomen auf die Spur gehen will, dem sei ein Artikel im Art-Magazin ans Herz gelegt (hier). Und ein Blick ins Video lohnt!

Endlich bekam ich die Gelegenheit, die neue britische Indie-Hoffnung Delphic live zu begutachten, nachdem ihr Auftritt im Münchner 59:1 leider (für mich) zu schnell ausverkauft war. Und was soll ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Sehr gelungene Performance, alle Highlights des Debutalbums „Acolyte“ wurden gespielt – allen voran „Doubt“, „Counterpoint“ und „This Momentary“…

Dann endlich Frittenbude. Bereits im Vorjahr hatten sie das Dockville gerockt (damals noch in der Halle) – zahlreiche Besucher haben sich im Forum die Band erneuut gewünscht und die Veranstalter kamen den Wunsch nach – Vielen Dank hierfür! Dieses mal traten sie auf der Nebenbühne auf – und auch dort brachten sie die Stimmung an den Siedepunkt. Egal ob Songs aus dem ersten Album oder aus dem Aktuellen „Katzengold“ – das war Party pur. Meine Highlights: „Bilder mit Katze“ und natürlich „Hildegard“. Sehr cool auch, dass die Band auf den Zwangsschluß um Mitternacht pfiff („das kostet uns jetzt glaub ich ne Menge Geld, aber das ist uns scheissegal“…) und noch zu weiteren Zugaben auf die Bühne kamen…

Am Sonntag vor allem bemerkenswert der Auftritt von Eva Jantschitsch alias Gustav … Die wiener Sängerin absolvierte den Auftritt in schwangerem zustand – was der Bassist bei der gegenseitigen „Vostellung“ am Ende des Sets etwas uncharmant so umschrieb: „Gesang; Eva Jantschitsch, die krankheitsbedingt beeinträchtigt ist (Blähbauch)“ – Wiener Schmäh halt…. Dennoch oder gerade deshalb ein gelungener Auftritt, besonders „Abgesang“, „We shall overcome“ und „Rettet die Wale“ haben mir gefallen.

Mit gemischten Gefühlen sah ich Slime bei Ihrem Bühnen-Comeback. Natürlich zählten Slime in meiner Jugend zu meinen Helden, klar kann ich nach wie vor Songs wie „Alle gegen Alle“, „Bullenschweine“, „polizei-SA-SS“ mitsingen und ja, die Jungs haben’s auch in fortgeschrittenem Alter noch drauf. Aber irgendwie merkwürdig, solche Parolen aus dem Mund von über fünfzigjährigen zu hören. Vielleicht liegt’s aber auch nur an mir, dass ich mit so was nichts mehr anfangen kann. Na ja, auch ne Erkenntnis!

Das bringt mich nahtlos zu den Enttäuschungen, denn die gab es für mich durchaus auch: Da wäre zunächst mal Uffie. Ist jetzt nicht zu hundert Prozent meine Musik, aber ich hatte mir zumindest eine gute Show erwartet – und wurde bitter enttäuscht. Noch schlimmer fand ich Die Sterne. Was ist nur aus dieser Band geworden? Was sollte das denn für ein Auftritt gewesen sein? Wie schrieb jemand im Forum: „Telegymnastik, oder was war das ???“… Was hat Euch bloß so ruiniert 😦

Und dennoch: Unterm Strich eindeutig ein super gelungenes Dockville 2010 – wir werden auch nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein!


Weiterführende Links:

Bericht vom Festival bei mcmagazin.de

Bericht bei Unser Lübeck

Sehr schönes Rückblicksvideo des Veranstalters…

Festivalbericht eines recht ernüchterten mr.boredoms

Bilder vom Festival gibts hier


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Das Warten hat ein Ende: Das neue ARCADE FIRE Album „THE SUBURBS“ …

(Arcade Fire: Suburbs;  City Slang / Universal; erschienen am 30.07.2010)

Das Warten hat ein Ende… Immerhin drei Jahre ist es her, dass Arcade Fire’s NEON BIBLE“ erschienen ist. Ein Album, dass sich definitiv und nachhaltig in meine All Time Top 10 gespielt hat. Vor einigen Tagen erschien nun mit großem Medien-Echo das neue Album „THE SUBURBS“. Bislang habe ich das Album erst einige Male gehört – ein endgültiges Urteil fällt mir noch schwer (Das gesamte Album lässt sich übrigens hier in Gänze gestreamt hören…)

Daher habe ich hier mal die interessantesten Meinungen zu diesem Album agreggiert:

„Wie Arcade Fire diesmal überhaupt mit kluger Selbstbeschränkung oft den meisten Eindruck machen. „Suburban war“ schleicht sich zu einem leise kreiselnden Riff verstohlen vom 20jährigen Klassentreffen, „Modern man“ tanzt zu bluesiger Gitarre den Abgesang auf ehemals nahestehende Menschen, die inzwischen auf einem anderen Planeten zu wohnen scheinen. Und zum elektronisch quietschenden Abschluss „Sprawl II (Mountains beyond mountains)“ liegen sich trotzdem alle in den Armen. Wenigstens diese wundervollen, anrührenden 64 Minuten lang.“ (plattentests.de).

„Der Nachfolger zu „Neon Bible“ gibt sich konzeptionell, kreisen die Textgedanken doch um das Äterwerden, das Heimkommen, die Verluste, das Vergangene und die Hoffnung auf Unverfälschtes am Ende der Tage. Musikalisch geben sich Arcade Fire unter- und entspannter denn je und bieten mit ihrem dritten Werk ein Album, das mit jedem Hören zu seiner majestätischen Größe heranwachsen will. Damit alles schön warm und zeitlos klingt, wurde jeder der 16 Tracks zunächst auf Vinyl gemastert und anschließend wieder digitalisiert.“ (tonspion.de).

„The Suburbs kommt weitgehend ohne offenbare Höhepunkte aus, es ist ein Album, das die Melancholie des Heimkommens in den Mittelpunkt und das Songwriting in den Dienst dessen stellt. In diesem Sinne rennt die Band sehenden Auges in die Fehlerstellung, die Rockfans seit Dekaden an Konzeptalben bemängeln.“ (intro.de).

„Auch wenn Arcade Fire noch nie so reduziert und aufgeräumt klangen, erzeugen sie auf „The Suburbs“ eine unfassbar dichte, wenngleich schwer greifbare Atmosphäre. Wer den funkensprühenden Facettenreichtum dieser verwunschenen Platte bei den ersten Annäherungsversuchen erfassen will, ist schlicht zum Scheitern verurteilt. Dennoch verwette ich meinen Arsch darauf, dass wir es hier mit einem DER Grower des Jahres zu tun haben“ (laut.de).

„Und wie musikalisch, so verhält es sich auch inhaltlich: Wo die eigene Jugend verstanden wird, beginnt auch die Auseinandersetzung mit dem Erwachsensein. „So can you understand, why I want a daughter while I’m still young? / I wanna hold her hand / And show her some beauty / Before this damage is done“. Vom Verfall der Idylle inspiriert, ist Arcade Fire ein drittes herausragendes Album gelungen. Vielleicht ihr strukturiertestes, aufgeräumtetes Album, definitiv aber das mit den bisher reifsten Erkenntnissen.“ (auftouren.de).

Alles in allem also offenbar Grund genug, sich intensiv mit diese Album auseinanderzusetzen 🙂


Weiterführende Links:

Live Stream des gesamten Albums

Offizielle Website incl. Infos über die unterschiedlichen Erscheinungsformate von The Suburbs

Follow Arcade Fire on … twitter and facebook


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„It’s a pleasure to be back here (tomorow: London…) – THE NATIONAL live in Dachau

(14.07.2010, Dachauer Rathausplatz)

Der Dachauer Musiksommer hatte die vergangenen Jahre bereits einige Juwelen nach Deutschland geholt. So waren 2009 z.B. Lambchop  zu Gast – und 2008 bereits einmal THE NATIONAL. Eben diese waren nun auch 2010 der Einladung nach Dachau gefolgt…

Erste Überraschung vor Ort: Das Konzert war zwar durchaus gut besucht, aber nicht ausverkauft. Das verwundert ein wenig, schließlich sind The National in 2010 endgültig durchgestartet – das aktuelle Album High Violet kam in Deutschland auf Platz 10 der Charts (bzw. Platz 5 der Download-Charts), in den UK-Charts auf Platz 5 und in den USA erreichte es sogar Platz 3 der Billboard-Charts. Und so herrschte gestern eine wunderbare entspannte Atmosphäre, weil genügend Platz für alle Besucher vorhanden war…

Als Support Act eröffneten St. Vincent den Abend. St. Vincent ist der Künstlername von Annie Clark, „einer US-amerikanische Multi-Instrumentalistin, Sängerin und Songwriterin“ (Zitat lastfm). Ein interessanter Auftritt, ein wenig melancholisch , mitunter recht schräge Musik… Zum Abschluss ihres 40 Minütigen Auftritts kamen die Jungs von THE NATIONAL mit auf die Bühne und spielten gemeinsam mit Clark und ihrer Band noch ein Stück. Ein gelungener Opener…

Gegen 21 Uhr – mit der einsetzenden Dämmerung, kamen die Brüder Dessner, Devendorf und natürlich Matt Berninger  auf die Bühne – und das Publikum freute sich auf THE NATIONAL live…  Es folgte ein wunderbarer Auftritt! Der Schwerpunkt lag natürlich auf den Songs des aktuellen Albums High Violet – für mich bereits jetzt der heiße Anwärter auf den Titel des „Album des Jahres“. Von High Violet gaben The National gestern so ziemlich alle Titel zum Besten. Meine persönlichen Favoriten hierbei: Anyone’s Ghost, Terrible Love, Afraid of Everyone und (als eine der Zugaben: Vanderlyle Crybaby Geeks). Aber auch einge Songs vom Vorgänger-Album Boxer waren mit auf der Setlist, hier haben mich u.a. besonders Mistaken for strangers, Squalor Victoria und natürlich Fake Empire begeistert.

Die Band war sichtlich in Spiellaune, man merkte ihnen an, dass sie gerne hier zurück nach Dachau kamen. Aufsehen erregte Matt Berninger, als er während des Auftritts einen Ausflug ins Publikum machte und die Laternen am Rathausplatz zum Tanz aufforderte („The Gene Kelly Show“ 🙂 ) .

Der sehr gelungene Konzertabend endete gerade rechtzeitig, ehe sich Platzregen und Gewitter über Dachau ausbreiteten… Wer die Chance gestern vepasst hat, dem bietet sich in 2010 noch die Gelegenheit, The National beim Haldern Open Air zu sehen – und bei einem Auftritt in der Nähe von Frankfurt. Tourdaten siehe hier


Weiterführende Links:

Sehr schöner Konzert-Bericht bei Laxmag

St. Vincent / Annie Clark bei myspace

Offizielle Homepage von The National


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„Mia san dageng“ – Die Geschichte des Punk in München, jetzt auch auf DVD…

(„Mia san dageng“; 88 min; ca. 25 Euro, z.B. bei amazon)

Oli Nauerz und Katz Seger, die sich schon im „Kruzefix“-Fanzine um die Münchner Punk-Geschichte gekümmert hatten, legten 2007 einen viel beachteten Kino-Film vor, der die Geschichte von Punk in München in die Geschichte von kritischen Köpfen der bayrischen Landeshauptstadt einbettete. Der Film lebt von vielen raren, aufnahmetechnisch guten Live-Aufnahmen alter Bands (u.a. The Pack, United Balls,…), von charakteristischen Interview-Gästen (u.a. Sigi Pop/Marionetz, The Pack, United Balls, Condom,…) und der Grundaussage: „Mia san dageng!“ – heute wie damals!

Der Film beginnt  mit einem Prolog über das Vorzeige-München und die Geschichte der Rebellion und den Kampf für Freiheit und Individualismus innerhalb der Stadt. Eine informative Zusammenfassung, bis es zum „Urknall“ des Punks kam. Es folgt ein Kaleidoskop, das eine Vielzahl von Aspekten der frühen Geschichte des Punk in München beleuchtet. Gezeigt wird ein Sammelsurium aus Videoaufnahmen, das von den Machern selbst kommentiert ist. Schon alleine noch einmal Bands ins Gedächtnis gerufen zu bekommen, welche in der Zwischenzeit fast vergessen sind, ist ein Vergnügen: A&P, United Balls, FKK Strandwixer, Alternative Arschlöcher usw. 🙂

Natürlich geht es in erster Linie um Musik -aber nicht ausschließlich. Zwangsläufig geht es auch um Politik: Antifaschistische Aspekte des Punks und wie das in München von statten ging beispielsweise. Oder um die radikal linke Aktion „Freizeit 81„, welche der damaligen  münchner Hausbesetzer- und Punkszene entsprang.

Den Schlusspunkt im Film setzt die Darbietung des Songs „Mia san dageng!“, der von zahlreichen Punkmusiker aus München unter den Namen „Einstürzende Musikantenstadl“ dargebracht wird und auch allein für den Film komponiert wurde.

Ein absolut sehenswerter Film und Pflichtprogramm für alle, die sich ein Bild über Subkultur in München damals und heute bilden wollen.


Weiterführende Links:

Artikel über den Film in der SZ

Artikel über den Film in der taz

Überblick über weitere Pressestimmen zum Film

Interview im OX Fanzine

Artikel über „Freizeit 81“ in der Wikipedia


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„You know who you are“… – Pavement live in München

(Muffathalle München, 22.05.2010)

Endlich also war es soweit: Die großen Pavement nach 11 Jahren wiedervereint gastierten in München. Der Abend begann zunächst mit einigen Merkwürdigkeiten…

Merkwürdigkeit 1: Das Konzert war nicht ausverkauft, und offenbar der Terminkollision mit dem Championsleague-Finale geschuldet gab es vor der Halle ein enormes Nachfrage-Angebots-Gefälle.  Jede Menge Leute versuchten, noch Karten unters Volk zu bringen, jedoch fanden sich keine Käufer. Schwarzmarkthändler haben sich da ganz schön verspekuliert.

Merkwürdigkeit 2: Selbst viele der Leute, die zum Konzert gingen, beschäftigten sich scheinbar intensiv mit der Frage, wie man die Fussball-Übertragung denn mit dem Konzert in Einklang bringen könnte. Auf last.fm beispielsweise entspann sich eine ellenlange Diskussion, wie man das am Besten anstelle. Man könne ja die Vorband weglassen und dann einen kleinen Teil von Pavement verpassen. Oder es wurde gefordert, Pavement solle doch erst um 23 Uhr starten. Und und und. Nach ja, ich muss ja nicht alles verstehen, aber komisch ist das schon.

Nun gut, das Ganze führte dann dazu, dass sich bei HEALTH die Halle nur zur Hälfte füllte, weil die andere Hälfte im Garten via Grossleinwand die Niederlage des FC Bayern bestaunen wollte. Als dann Health ihren Auftritt beendet hatten, strömten diese Leute alle in die Halle, weil draußen grade Halbzeit war. Was sie verpasst haben, sei ihnen kurz geschildert: HEALTH boten einen enorm energiegeladenen Auftritt. Die gingen ab wie die Hölle und boten in einem halbstündigen Set eine sehr gelungene Mischung aus experimentiellen Noise Rock und Indie-Rok mit düsterem Einschlag. Hat mir sehr gut gefallen.

Nach kurzer Umbaupause (und nicht erst um 23 Uhr 😉 ) kamen dann Pavement auf die Bühne. Die Halle hatte sich nun tatsächlich gefüllt, Pavement vs. FC Bayern 1:0 … Das Publikum bestand überwiegend aus junggebliebenen Forty-Somethings, welche die Hochzeit von Pavement persönlich erlebt hatten. Was fehlte waren – wie SPEX in ihrem Bericht vom Berliner Pavement-Konzert schrieben, „Kids mit den engen Hosen und den großen Schuhen, die anscheinend immer noch nicht wissen, worauf ihr ach so fresher Schrammel-Indie eigentlich fußt“…

Pavement eröffneten den Abend fulminant mit „Cut your Hair„. Es folgten so ziemlich alle großartigen Songs der Band – mir hat keiner der Songs gefehlt die ich unbedingt hören wollte. Der Auftritt führte nochmals eindrücklich vor Augen, aus welchem Fundus die Band schöpfen kann – obwohl die Band „nur“ fünf Alben produziert hat. Jeder Song ein Hit. Man merkte der Band an, dass sie die Reunion sehr geniessen. Wie schrieb ein Blog über das Berliner Konzert: „Kleine Kinder, die die Bühne zu ihrem Spielplatz erklärten. Losgelassen von zuhause, mit Genehmigung ihrer Familien oder Freundinnen“.

Das trifft es sehr gut. Es machte einfach Spass zuzusehen – und man hatte keine Sekunde den Eindruck einer reinen Nostalgie-Veransaltung, oder als würde da eine Band auf der Bühne stehen, die sich zusammengerauft hat, weil sie die Kohle brauchen… Und so spielten sich durch den knapp zweistündigen Auftritt, kamen zweimal zu Zugaben auf die Bühne und beendeten den Abend mit einer Hammer-Version von „Stop Breathing“. Danke, Pavement!

Meine persönlichen Highlights: Cut yout Hair, Elevate me Later, Shade Lane, Spit on a Stranger, Stereo, und Stop Breathing


Weiterführende Links:

Fotos vom Münchner Konzert bei rote-raupe.de

Bericht vom Münchner Konzert auf m945.de

Bericht vom Berliner Auftritt in der SPEX

Bericht vom Berliner Auftritt beim Blog pretty-paracetamol

HEALTH bei MySpace

Bericht bei intro.de über die Reunion von Pavement

Was haben Max Schmeling, Gilbert Bécaud und Barry Manilow gemeinsam? Friedlich vereint auf RUMMELSNUFF’s zweiten Album „Sender Karlshorst“…

(Rummelsnuff: Sender Karlshorst; Out of Line/Universal; erschienen am 14.05.2010)

Die Info des Labels zeigt, wo’s langgeht: „Roger Baptist ist RUMMELSNUFF. Mit seiner Mannschaft läßt er gelegentlich seine derbe, von Kurzfilmen untermalte Strommusik auf sorgsam ausgewählten Bühnen zwischen Hammerfest und Sansibar erklingen. Kennzeichnend für die Shows sind der bild- und tongewordene Männlichkeitswahn und der unverhohlene Personenkult um Rummelsnuff; er singt von den Schwerstarbeitern unter Tage, von den Männern auf hoher See und von den kraftstrotzenden Ringern auf der Matte.“

„Sender Karlshorst“ ist nach „Halt durch“ das zweite Album von Rummelsnuff. Die Vorab-Singles haben einiges erhoffen lassen, seit heute ist nunmehr das Album verfügbar und es übertrifft alle Erwartungen. Was für eine Mischung: Arbeiterlieder mit Sowjetromantik („Stalinallee“, „Wolgastrom“) und Kraftsport-Hymen („Der Pumper“) gehen hier Hand in Hand mit unfassbaren Versionen von Barry Manilow’s „Mandy“, Gilbert Bedaud’s „Nathalie“ oder eben Max Schmelings „Boxerlied“.

Geboten werden elektronische, mitunter minimalistische Klänge, immer wieder durchsetzt mit schrägen Ideen – und das perfekt durch Roger Baptists „Reibeisen-Stimme“ in Szene gesetzt. Musikalisch hat sich das Spektrum im Vergleich zu „Halt durch“  erweitert – bei „Donnerbolzen“ sind Rockabilly Töne zu vernehmen, mit „Wenn Du aus dem Leben schwindest“ ist sogar so etwas wie eine Ballade vertreten.

Rummelsnuff ist ein Phänomen, und er wird auch mit diesem Album wieder polarisieren: Man liebt ihn oder hasst ihn. Als Test möge das Video zu „Freier Fall“ dienen. Für mich steht fest: GROSSARTIG!


Weiterführende Links:

Stream des Albums zum Reinhören

Kritik zu „Sender Karlshorst“ bei intro.de

TV Beitrag über Rummelsnuff bei polylux

Artikel über Rummelsnuffs „Halt durch“ bei Spiegel Online

Artikel über Rummelsnuffs „Hat durch“ in der FAZ

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