„You know who you are“… – Pavement live in München

(Muffathalle München, 22.05.2010)

Endlich also war es soweit: Die großen Pavement nach 11 Jahren wiedervereint gastierten in München. Der Abend begann zunächst mit einigen Merkwürdigkeiten…

Merkwürdigkeit 1: Das Konzert war nicht ausverkauft, und offenbar der Terminkollision mit dem Championsleague-Finale geschuldet gab es vor der Halle ein enormes Nachfrage-Angebots-Gefälle.  Jede Menge Leute versuchten, noch Karten unters Volk zu bringen, jedoch fanden sich keine Käufer. Schwarzmarkthändler haben sich da ganz schön verspekuliert.

Merkwürdigkeit 2: Selbst viele der Leute, die zum Konzert gingen, beschäftigten sich scheinbar intensiv mit der Frage, wie man die Fussball-Übertragung denn mit dem Konzert in Einklang bringen könnte. Auf last.fm beispielsweise entspann sich eine ellenlange Diskussion, wie man das am Besten anstelle. Man könne ja die Vorband weglassen und dann einen kleinen Teil von Pavement verpassen. Oder es wurde gefordert, Pavement solle doch erst um 23 Uhr starten. Und und und. Nach ja, ich muss ja nicht alles verstehen, aber komisch ist das schon.

Nun gut, das Ganze führte dann dazu, dass sich bei HEALTH die Halle nur zur Hälfte füllte, weil die andere Hälfte im Garten via Grossleinwand die Niederlage des FC Bayern bestaunen wollte. Als dann Health ihren Auftritt beendet hatten, strömten diese Leute alle in die Halle, weil draußen grade Halbzeit war. Was sie verpasst haben, sei ihnen kurz geschildert: HEALTH boten einen enorm energiegeladenen Auftritt. Die gingen ab wie die Hölle und boten in einem halbstündigen Set eine sehr gelungene Mischung aus experimentiellen Noise Rock und Indie-Rok mit düsterem Einschlag. Hat mir sehr gut gefallen.

Nach kurzer Umbaupause (und nicht erst um 23 Uhr 😉 ) kamen dann Pavement auf die Bühne. Die Halle hatte sich nun tatsächlich gefüllt, Pavement vs. FC Bayern 1:0 … Das Publikum bestand überwiegend aus junggebliebenen Forty-Somethings, welche die Hochzeit von Pavement persönlich erlebt hatten. Was fehlte waren – wie SPEX in ihrem Bericht vom Berliner Pavement-Konzert schrieben, „Kids mit den engen Hosen und den großen Schuhen, die anscheinend immer noch nicht wissen, worauf ihr ach so fresher Schrammel-Indie eigentlich fußt“…

Pavement eröffneten den Abend fulminant mit „Cut your Hair„. Es folgten so ziemlich alle großartigen Songs der Band – mir hat keiner der Songs gefehlt die ich unbedingt hören wollte. Der Auftritt führte nochmals eindrücklich vor Augen, aus welchem Fundus die Band schöpfen kann – obwohl die Band „nur“ fünf Alben produziert hat. Jeder Song ein Hit. Man merkte der Band an, dass sie die Reunion sehr geniessen. Wie schrieb ein Blog über das Berliner Konzert: „Kleine Kinder, die die Bühne zu ihrem Spielplatz erklärten. Losgelassen von zuhause, mit Genehmigung ihrer Familien oder Freundinnen“.

Das trifft es sehr gut. Es machte einfach Spass zuzusehen – und man hatte keine Sekunde den Eindruck einer reinen Nostalgie-Veransaltung, oder als würde da eine Band auf der Bühne stehen, die sich zusammengerauft hat, weil sie die Kohle brauchen… Und so spielten sich durch den knapp zweistündigen Auftritt, kamen zweimal zu Zugaben auf die Bühne und beendeten den Abend mit einer Hammer-Version von „Stop Breathing“. Danke, Pavement!

Meine persönlichen Highlights: Cut yout Hair, Elevate me Later, Shade Lane, Spit on a Stranger, Stereo, und Stop Breathing


Weiterführende Links:

Fotos vom Münchner Konzert bei rote-raupe.de

Bericht vom Münchner Konzert auf m945.de

Bericht vom Berliner Auftritt in der SPEX

Bericht vom Berliner Auftritt beim Blog pretty-paracetamol

HEALTH bei MySpace

Bericht bei intro.de über die Reunion von Pavement

Action pur … Hamlet am Münchner Volkstheater

(Münchner Volkstheater, 20.05.2010)

Der dänische Prinz Hamlet erfährt eines Nachts durch den Geist seines kürzlich verstorbenen Vaters, dass sein Onkel Claudius der Mörder sei und Hamlet Rache üben müsse. Um den Mörder zu überführen und seine Rache vorzubereiten, gibt Hamlet vor, wahnsinnig zu sein. Hamlet lauert seinem Onkel auf und ersticht irrtümlich den Oberkämmerer Polonius. Dessen Sohn Laertes fordert, unterstützt von Claudius, Hamlet zum Duell. Hamlet ersticht infolgedessen Claudius.

Nun also hatte ich endlich die Gelegenheit, die Hamlet-Inszenierung von Christian Stückl am Münchner Volkstheater zu sehen. Geboten wurde eine wie zu erwarten war sehr moderne Inszenierung. Das Bühnenbild von Alu Walter bestand aus Rasen, Wasserbassins und Terrassenpodesten. Auf dieser Bühne entspinnt sich ein actionreicher Hamlet. Da wird getobt, gerauft, gemordet. Bei der Ermordung von Rosenkranz und Güldenstern spritzt das Blut. Der Geist von Hamlets Vater ist von Michael Tregor sehr eindrucksvoll und mitunter gruselig in Szene gesetzt.

Von den Darstellern ragten in meinen Augen einmal mehr Barbara Romaner als Ophelia und Robin Sondermann als Horatio heraus…

Hamlet steht weiterhin auf dem Spielplan des Münchner Volkstheaters. Nächste Termine: 5.6., 6.6., 25.6., 26.6.

(Fotoquelle: Arno Declair / Münchner Volkstheater)


Weiterführende Links:

Kritik über die Aufführung beim Deutschlandradio (Audio…)

Premierenkritik vom Münchner Merkur

Kritik bei nachtkritik.de

Infos auf der Homepage des Münchner Volkstheaters

Artikel über Hauptdarsteller Friedrich Mücke beim Münchner Merkur

Was haben Max Schmeling, Gilbert Bécaud und Barry Manilow gemeinsam? Friedlich vereint auf RUMMELSNUFF’s zweiten Album „Sender Karlshorst“…

(Rummelsnuff: Sender Karlshorst; Out of Line/Universal; erschienen am 14.05.2010)

Die Info des Labels zeigt, wo’s langgeht: „Roger Baptist ist RUMMELSNUFF. Mit seiner Mannschaft läßt er gelegentlich seine derbe, von Kurzfilmen untermalte Strommusik auf sorgsam ausgewählten Bühnen zwischen Hammerfest und Sansibar erklingen. Kennzeichnend für die Shows sind der bild- und tongewordene Männlichkeitswahn und der unverhohlene Personenkult um Rummelsnuff; er singt von den Schwerstarbeitern unter Tage, von den Männern auf hoher See und von den kraftstrotzenden Ringern auf der Matte.“

„Sender Karlshorst“ ist nach „Halt durch“ das zweite Album von Rummelsnuff. Die Vorab-Singles haben einiges erhoffen lassen, seit heute ist nunmehr das Album verfügbar und es übertrifft alle Erwartungen. Was für eine Mischung: Arbeiterlieder mit Sowjetromantik („Stalinallee“, „Wolgastrom“) und Kraftsport-Hymen („Der Pumper“) gehen hier Hand in Hand mit unfassbaren Versionen von Barry Manilow’s „Mandy“, Gilbert Bedaud’s „Nathalie“ oder eben Max Schmelings „Boxerlied“.

Geboten werden elektronische, mitunter minimalistische Klänge, immer wieder durchsetzt mit schrägen Ideen – und das perfekt durch Roger Baptists „Reibeisen-Stimme“ in Szene gesetzt. Musikalisch hat sich das Spektrum im Vergleich zu „Halt durch“  erweitert – bei „Donnerbolzen“ sind Rockabilly Töne zu vernehmen, mit „Wenn Du aus dem Leben schwindest“ ist sogar so etwas wie eine Ballade vertreten.

Rummelsnuff ist ein Phänomen, und er wird auch mit diesem Album wieder polarisieren: Man liebt ihn oder hasst ihn. Als Test möge das Video zu „Freier Fall“ dienen. Für mich steht fest: GROSSARTIG!


Weiterführende Links:

Stream des Albums zum Reinhören

Kritik zu „Sender Karlshorst“ bei intro.de

TV Beitrag über Rummelsnuff bei polylux

Artikel über Rummelsnuffs „Halt durch“ bei Spiegel Online

Artikel über Rummelsnuffs „Hat durch“ in der FAZ

Rummelsnuff official Home

Türlich, Türlich – sicher Digga … Mary Jane live and acoustic im Cord München!

(Cord, München, 06.05.2010)

Nach längerer Abstinenz hatten Mary Jane endlich mal wieder zu einem Auftritt geladen. Wie seit einiger Zeit gewohnt war auch gestern im Cord ein Akustik-Konzert angesagt. Die Band ist seit über 10 Jahren in München und darüber hinaus für ihren mitreissenden Punk Rock bekannt – und haben sich über die Jahre eine beträchtliche Fan-Basis erspielt. So war es nicht verwunderlich, dass auch beim Auftritt gestern das Cord sehr gut gefüllt war.

Mary Jane, das sind Tomson, Daniel, Patrick und Hot – letzterer übrigens zuletzt zusätzlich äußerst erfolgreich mit der Band „This is the Arrival“ unterwegs (Liveberichte hier und hier …). Als Support-Act fungierten die ebenfalls aus München stammenden Slugfugg. Die beiden Bands verbindet eine jahrelange Freundschaft – bereits 1999 standen sie bei einem Konzert gemeinsam auf der Bühne. Auch Slugfugg gaben ihre Songs stromlos zum Besten – und hätten etwas mehr Aufmerksamkeit vom Publikum verdient. In der hinteren Hälfte des Clubs war die Musik praktisch nicht mehr wahrzunehmen, da es zahlreiche Besucher vorzogen, zu quatschen. Warum Leute Eintritt zahlen, auf ein Konzert gehen und dann nicht zuhören ist ein Phänomen, das ich nie verstehen werde… Wie auch immer: Sluggfug boten eine gelungene Show – mein persönlicher Favorit: „Hate TV“. Und: Auch Iron Man war begeistert 🙂

Nach einer kurzen Pause starteten dann Mary Jane. Sehr zu meiner Freude spielten sie als Opener „Finding Elmo„. Im ersten Teil des Konzertes boten sie durchwegs akustische Versionen ihrer eigenen Songs. Das Publikum war von Anbeginn voll dabei.

Dann gab’s ne kurze Pause – und im zweiten Teil ging es wie angekündigt mit Coversongs weiter. War die Stimmung im Cord während des ersten Teils schon sehr gut, so kochte das Ganze jetzt erst so richtig hoch. Geboten wurden Versionen u.a. von „Kids“ (MGMT; gesungen von Tomson), „Sex on Fire“ (Kings of Leon; gesungen von Hot) und „Hounddog“ (Elvis; gesungen von Patrick). Die absoluten Highlights lieferten Mary Jane schliesslich mit „So lonely“ (The Police; unglaublich gut gesungen von Hot) und einem Hip Hop Medley (gesungen von Daniel – siehe Video – u.a. mit Cameos „Word up!“ und „Türlich Türlich“ von Das Bo). Partystimmung pur!

Alles in allem wieder einmal ein sehr gelungener Auftritt von Mary Jane. Schade, dass die Auftritte in letzter Zeit etwas rarer geworden sind…


Weiterführende Links:

Mary Jane bei MySpace

Slugfugg bei MySpace

Cord Club

„Die Platte heisst nicht umsonst ‚Swim’…“ – Caribou’s neues Album

(Caribou: Swim; Label: City Slang; erschienen am 19.04.2010)

Mit „Swim“ ist diese Tage Daniel Victor Snaith’s mittlerweile sechstes Album unter seinem Pseudonym Caribou erschienen. Hierbei begiebt sich der Kanadier  auf einem Trip zwischen dumpfen Bässen, blubbernden Synthies und ganz viel Gebimmel, Geläute und Gegonge.

Allerorten wird das neue Album hoch gelobt – unter anderem wurde es vom BR2 Zündfunk zur Platte der Woche auserkoren: „Der neue Caribou ist ein unglaublich vielschichtiges Werk: knapp die Hälfte der neun Stücke sind instrumental, aber es ist kein herkömmlicher Elektro-Sound. Caribou ist der fließende Übergang von Euphorie zu Melancholie. Oder wie Dan Snaith sagt: die Platte heißt nicht umsonst ‚Swim‘…“.

Die Lobeshymnen sind berechtigt… Erstes Highlight ist bereits der Opener „Odessa“ mit seinem groovigen Beat und den treibenden Rythmen. Der zweite Track ist da ganz anders gestrickt und verdeutlicht sehr schön die Vielschichtigkeit dieses Werkes: ‚Sun‘ ist geprägt von harten Techno-Anleihen und metallischen Elektroschlägen. Es folgen weitere Perlen, allesamt hörenswert, keine Lückenfüller.

Dieses Album wird alle Liebhaber der „Abteilung Hot-Chip-Nerddisko“ (Zitat Byte-FM) begeistern – mich eingeschlossen! Unentschiedene können sich zum einen hier schon mal das Video zur ersten Single-Auskopplung „Odessa“ anschauen bzw. das komplette Album im Stream antesten (Link siehe unten).


Weiterführende Links:

Stream des kompletten Albums (Soundcloud)

Artikel in der SPEX

Ich kommanda, Du kommanda, wir kommanda … MEDIENGRUPPE Telekommander live in München!

(Feierwerk – Hansa 39, München, 22.04.2010)

Im Rahmen des inzwischen schon als traditionell zu bezeichnenden „Make or Break Festival“ des Feierwerks gastierten einmal mehr Gerald Mandl und Florian Zwietnig (plus Drummer) mit der Mediengruppe Telekommander in München. Eintritt wie bei Make or Break wie gewohnt frei – und somit war es nicht verwunderlich, dass das Hansa 39 restlos überfüllt war. Leute, die den Fehler machten, zwischenzeitlich mal raus zu gehen, kamen zum Teil nicht mehr in die Halle…

Den Abend eröffneten zunächst soft.nerd … Eine dreiköpfige Münchner Electro-Pop-Band, „eine Teetanz-Band. Live mit Drums, Bass und Gitarre – ganz ohne Laptop. Klingen soll das ganze dann wie LCD Soundsystem live“ (Zitat on3-radio.de). Mich hat das nicht sonderlich überzeugt – wer sich ein Bild machen mag, der kann sich die EP der Band kostenlos herunterladen (Link siehe unten).

Nach einen recht lang geratenen Umbaupause dann endlich die Mediengruppe Telekommander. Vom ersten Takt an war enorm Bewegung in der Menge. Sehr geile Stimmung, und auch die Band war in großer Spiellaune. Geboten wurden so ziemlich alle Highlights aus den bislang erschienenen drei Alben. Gefehlt hat mir persönlich eigentlich nur „Panzer“… Einige Stücke hat die Band für die Live-Auftritte offensichtlich neu arrangiert – besonders aufgefallen ist mir dies bei „Mein Herz“ und „Gekleckert“. Nach dem regulären Teil folgten noch Lautstark eingeforderte Zugaben, unter anderem das geniale „Endlosrille“.

Dies war  mittlerweile mein viertes Mediengruppe Telekommander Konzert – und fand das heutige von der Stimmung, aber auch von der Live-Performance her das gelungenste!

Die Setlist (Reihenfolge bekomm ich nicht mehr hin…): Bild dir Deine Meinung, Mein Herz, Trend, Sprengkörper, Ein kleiner Widerstand, Loft oder Liebe, Gekleckert, Jedem sein Disco, Einer muß in Führung gehen, Über alles, Lesprit Nouveau, Raus aus der Stadt, Endlosrille, Bis zum Erbrechen schreien, Mach das leiser, Es gibt immer was zu tun (hab ich einen vergessen – bitte kommentieren…)


Weiterführende Links:


Interview (Stream) mit Mediengruppe Telekommander – bei on3-radio

soft.nerd – gefeatured bei on3-radio …

Kostenloser Download der soft.nerd EP „All the same“

Bericht über das 2010er Konzert in Leipzig

Zwei Romane, zwei Dekaden – ein Thema: Party, Drogen, Techno, Liebe – in den Neunzigern und den Nullern…

(Rainer Schmidt: Liebenstänze; KiWi 2009; 317 S.; 8,95 Euro  → Bei Amazon bestellen)

(Airen: STROBO; Sukultur 2009; 169 S.; 17 Euro Bei Amazon bestellen)

Zwei Bücher, die das Thema Techno-Kultur aufgreifen – auf recht unterschiedliche Art und Weise. Rainer Schmidts „Liebestänze“ spielt in den Neunzigern und ist in klassischer Romanform geschrieben. Airens „STROBO“ hingegen ist die Publikation von Blogbeiträgen, die der Autor unter diesem Pseudonym über einen längeren Zeitraum hinweg im Internet veröffentlicht hatte – zwischen 2004 und 2008.

Beiden Werken gemein ist der Gegenstand: Techno als Subkultur, die damit verbundene Club-Kultur und die zentrale Rolle von Drogen. Die beiden Bücher direkt hintereinander zu lesen ist besonders reizvoll, weil in „Liebestänze“ die Anfänge von Techno geschildert werden, während „STROBO“ sozusagen eine authentische Nahaufnahme der heutigen Szene darstellt.

Im Sommer 1989 zog die erste Loveparade über den Ku’damm, aber der eigentliche Startschuss für den Siegeszug des Techno war der Mauerfall. Auf den Dancefloors der Hauptstadt vereinten sich Ost und West zuerst. Rainer Schmidt erzählt vom Höhepunkt dieser deutschen Kulturrevolution – und von Felix, der sich Hals über Kopf in die Szene stürzt, mitten hinein in die Liebestänze. Loveparade, E-Werk und Tresor. Rainer Schmidts erinnerungssatte Beschreibungen der Aufbruchsstimmung, des Wahnsinns in den schweißnassen, vibrierenden Kellergewölben sind überzeugend. Ebenso seine Simulation des 24-Stunden-Drogentripps durch das Arrangement verschiedener Realitätsebenen im Text.

Sehr spannend auch das Leseprojekt zu „Liebestänze“ (Link siehe unten). Über 300 „Vorleser“ (DJ’s, Producer und sonstige „Szene-Leute“), z.B. Dr. Motte, Monika Kruse und Westbam, nehmen sich jeweils eine Seite vor.

Berlin in den 90ern war also in erster Linie mit der Loveparade assoziiert. Spricht man heute von Berlin, denkt man vielmehr an Clubs wie Berghain, Bar25, Watergate und auch das neue Tresor macht immer noch von sich Reden. Aber was hat sich sonst noch alles in Berlin verändert? Und wie lebt es sich in einer Stadt, in der man beinahe jeden Tag vor den gleichen Fragen steht: Auf welche Party gehe ich heute? Und wie schaffe ich es morgen zur Arbeit? Der Blogger Airen hat es sich zwei Jahre lang zur Aufgabe gemacht, genau dieses – sein Leben – festzuhalten und alles haargenau und ausgesprochen detailliert niederzuschreiben. “

»Das Unerträgliche erträglich machen«, beschreibt Airen den Morgen, als er auf einer Afterhour mit drei Unbekannten zu sich kommt, »darum geht es doch im Leben.« Airen hat fünf verschiedene Drogen im Blut, wird sich gleich mit Valium in den Schlaf zwingen und später gefühllosen Sex mit einer alten Bekannten haben. Im Laufe des Buches wird Airen zweimal verhaftet, sitzt elf Tage im Gefängnis, verkauft Drogen auf der Loveparade, nimmt beinahe am Berliner Firmenlauf teil, hat Sex mit Frauen, Männern, Prostituierten und Transsexuellen und arbeitet jeden Tag in einer Unternehmensberatung.

Das Buch ist eine Ode an die Berliner Feierszene, authentisch dargestellt – mit all ihren Höhen und Tiefen…


Weiterführende Links:

Leseprojekt „Liebestänze“: 300 Seiten – 300 Videos – 300 Vorleser…

Kritik zu „Liebestänze“ im TITEl-MAGAZIN

Interview mit Airen bei 1LIVE