Konflikt zwischen Moral und Kapital… „Der Volksfeind“ im Münchner Volkstheater

(„Der Volksfeind“ von Henrik Ibsen – 02.01.2011 im Münchner Volkstheater)

Auch nach 120 Jahren noch aktuell – Ibsen’s „Volksfeind“…

Zum Inhalt (1): Dr. Tomas Stockmann arbeitet als Arzt für das noch junge Kurbad seiner Heimatstadt, dem der Ort Ruhm und Wohlstand zu verdanken hat. Als Stockmann eine wachsende Zahl unerklärlicher Krankheitsfälle unter den Kurgästen bemerkt, lässt er das Wasser durch Wissenschaftler analysieren. Ihr Gutachten bestätigt seinen Verdacht: Die Abwässer der angrenzenden Gerbereien und Fabriken verunreinigen das Wasser des Bades, die Gesundheit der Kurgäste ist massiv gefährdet. Stockmann setzt sich nun bei Bürgern und Politikern für die Sanierung der Wasserleitungen ein, um weiteres Unheil für seine Heimatstadt zu verhindern. Sein Vorhaben stößt anfänglich auf breite Zustimmung. Die lokale Presse will die Verunreinigung und die Notwendigkeit der Sanierung zu ihrem Thema machen, der Vorstand der Immobilienbesitzervereins verspricht ebenfalls, seine Mitglieder davon zu überzeugen. Allein die Politik sperrt sich und verweist auf die ökonomischen Nachteile für die Stadt und ihre Bewohner, die eine Generalsanierung mit sich bringt. Sie präsentiert zudem ein zweites Gutachten, das in dem Wasser des Bades keinerlei gesundheitsgefährdende Verunreinigungen entdecken kann. Als schließlich auch bekannt wird, welche Kosten ein Umbau verursachen und wieviel Zeit er in Anspruch nehmen würde, schwenkt die Mehrheit der Bürger um – eine kostspielige Sanierung erscheint völlig unnötig. Stockmann gibt den Kampf jedoch nicht auf. Bei einer Bürgerversammlung hält er eine flammende Rede mit Angriffen gegen Bürgerschaft, Politik und Presse. Die Versammlung entzieht ihm daraufhin das Wort und erklärt ihn zum Volksfeind, weil er das Wohl der Stadt leichtfertig aus Spiel setzt. Die Ereignisse haben dramatische Konsequenzen für Stockmann und seine Familie. Die Kurverwaltung entlässt ihn mit sofortiger Wirkung, der Vermieter kündigt den Mietvertrag fristlos, Unbekannte werfen seine Fenster ein, seine Tochter verliert ihre Anstellung als Lehrerin. Aber noch immer gibt sich Stockmann nicht geschlagen. Er verwirft die Idee, die Stadt zu verlassen und mit seiner Familie in Amerika noch einmal ein neues Leben zu beginnen – allen Anfeindungen und Drohungen zum Trotz beschließt er, seinen aufklärerischen Kampf kompromisslos weiterzuführen.

„Henrik Ibsens Stück „Ein Volksfeind“, erstmals gezeigt im Jahr 1883, kommt im Jahr 2010 im Münchner Volkstheater frisch und saftig daher wie eine Uraufführung.“ (2) Großartig besetzt, durch die Bank faszinierend gespielt – allen voran Robin Sondermann als kalter, aalglatter Bürgermeister, Xenia Tilling als Mittelstandsvertreterin Ruth Aslaksen, Jean-Luc Bubert als wendehalsiger Chefredakteur Hovstad und natürlich Friedrich Mücke, der „kommt nämlich nicht als strahlender Held der Wahrheit zum Liebhaben, sondern als eitler, querulatorischer Rechthaber daher: Wer im Recht ist, ist deshalb noch lange kein besserer Mensch. Und der Besitz der Wahrheit macht nicht zwangsläufig sympathisch.“ (2)

Quellen und weiterführende Informationen:

Informationen und Termine auf der Site des Volkstheaters (1)

Podcast Bayen2

Kritik von Christian Muckenthaler (2)

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Action pur … Hamlet am Münchner Volkstheater

(Münchner Volkstheater, 20.05.2010)

Der dänische Prinz Hamlet erfährt eines Nachts durch den Geist seines kürzlich verstorbenen Vaters, dass sein Onkel Claudius der Mörder sei und Hamlet Rache üben müsse. Um den Mörder zu überführen und seine Rache vorzubereiten, gibt Hamlet vor, wahnsinnig zu sein. Hamlet lauert seinem Onkel auf und ersticht irrtümlich den Oberkämmerer Polonius. Dessen Sohn Laertes fordert, unterstützt von Claudius, Hamlet zum Duell. Hamlet ersticht infolgedessen Claudius.

Nun also hatte ich endlich die Gelegenheit, die Hamlet-Inszenierung von Christian Stückl am Münchner Volkstheater zu sehen. Geboten wurde eine wie zu erwarten war sehr moderne Inszenierung. Das Bühnenbild von Alu Walter bestand aus Rasen, Wasserbassins und Terrassenpodesten. Auf dieser Bühne entspinnt sich ein actionreicher Hamlet. Da wird getobt, gerauft, gemordet. Bei der Ermordung von Rosenkranz und Güldenstern spritzt das Blut. Der Geist von Hamlets Vater ist von Michael Tregor sehr eindrucksvoll und mitunter gruselig in Szene gesetzt.

Von den Darstellern ragten in meinen Augen einmal mehr Barbara Romaner als Ophelia und Robin Sondermann als Horatio heraus…

Hamlet steht weiterhin auf dem Spielplan des Münchner Volkstheaters. Nächste Termine: 5.6., 6.6., 25.6., 26.6.

(Fotoquelle: Arno Declair / Münchner Volkstheater)


Weiterführende Links:

Kritik über die Aufführung beim Deutschlandradio (Audio…)

Premierenkritik vom Münchner Merkur

Kritik bei nachtkritik.de

Infos auf der Homepage des Münchner Volkstheaters

Artikel über Hauptdarsteller Friedrich Mücke beim Münchner Merkur

„Lieber ein Hund sein, wenn ich von Füßen getreten werden soll, als ein Mensch!“

(Münchner Volkstheater, 28.01.2010)

Heinrich von Kleists Novelle Michael Kohlhaas stellt die großen Fragen nach Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne, Idealismus und Gewalt.

Im Münchner Volkstheater hat Hanna Rudolph das Stück sehr modern insezeniert – und sich dennoch eng an den inhaltlichen Vorgaben und auch an der Sprache Kleists orientiert. Hierbei treten lediglich sechs Schauspieler auf, die durch Doppel- und Dreichfachrollen glänzen. Überhaupt sind die schauspielerischen Darbietungen beeindruckend. Schwerlich kann man einen der Darsteller hervorheben – mir persönlich am besten gefallen haben Friedrich Mücke (Michael Kohlhaas u.a.) und Robin Sondermann (Schlossvogt u.a.).

Für mich war das heute ein beeindruckendes, nachhaltiges Theatererlebnis!

Kurz noch zum Inhalt:

Der Pferdehändler Michael Kohlhaas wird auf dem Weg nach Leipzig von den Leuten des Junker Tronka aufgehalten. Neuerdings brauche er einen Passierschein. Kohlhaas will diesen Schein gerne nachreichen. Als Pfand hinterlässt Kohlhaas seine beiden besten Pferde auf der Tronkenburg und beauftragt seinen Knecht Herse, sich um die Pferde zu kümmern. In Dresden erfährt Kohlhaas jedoch, dass dieser Passierschein reine Willkür ist und jeglicher gesetzlicher Grundlage entbehrt. Als er auf die Tronkenburg zurückkehrt, findet er seine Pferde misshandelt vor. Sein Knecht wurde verprügelt und von der Burg gejagt. Kohlhaas Rechtsgefühl ist aufs Empfindlichste gekränkt. Er klagt um Wiedergutmachung des Schadens und Verurteilung des Junkers. Doch trotz wiederholter Klagen auf legalem Weg, wird ihm sein Recht verweigert. Als seine Frau bei dem Versuch Unterstützung beim Kurfürsten zu erhalten, erschlagen wird, greift Kohlhaas zur Selbstjustiz. Er beginnt einen blutigen Rachefeldzug. Zusammen mit seinen Anhängern zündet er blind vor Wut Dörfer an, in denen sich der Ungerechte angeblich versteckt hält und nimmt in Kauf, dass unschuldige Menschen ums Leben kommen.

Das Stück steht weiterhiin auf dem Spielplan des Münchner Volkstheaters. Nächste Aufführung am 21.02.2010

Infos zum Stück bei Wikipedia

Zur Aufführung im Münchner Volkstheater

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